Friedrich Gulda war ein Musikgenie und machte auch gspassig-unkonventionelle Musik. Aber kein "Starrdirigent" hat es je geschafft, eine Skiffle Group zu dirigieren. Denn Skifflemusiker sind sämtlich eigenwillig, ident und weder wiedergebende Notenfuxer noch perfekte Musikmaschinen. Schließlich gibt es weder bei den Berliner noch bei den Wiener Philharmonikern ein Kammermusik-Ensemble, daß konzertant und solistisch auf dem Kamm bläst, einer Gießkanne ätherische Töne entlockt, Gartenschläuche als Trompeten nutzt, Teekisten zu Kontrabässen umfunktioniert, anstelle des Suppenschlürfens mit Löffeln trommelt, Eimer schlägt oder der Omama das Waschbrett entreißt, um dieses als Rhythmusinstrument zu nutzen. Gitarren, Banjo und Mandoline runden die Soundpalette ab, welche Zuhörer von den Sessel reißen und so lange klatschen läßt, bis die Hände gut durchblutet sind. Jedenfalls werden dabei Akupressurpunkte animiert, und wohlige Orgas-Mus-artige Gefühle durchbeuteln den Körper. Daß sich dabei manchmal vor Freude nicht nur die Zehen aufstellen und fest mitgetrampelt wird, spielt aus medizinischer Sicht keine Rolle. Denn ausschließlich das innere Ökosystem und der Kreislauf werden dabei durch "Freude" stimuliert und der innere Lebenswilly massiv gestärkt.

Die Wurzeln des Skiffle verlaufen sich irgendwo in der Geschichte des afro-anglo-amerikanischen Country-, Blues- und Jazzszene: Skiffle wurde um 1953/54 von jungen Musikern wie Ken Colyer, Chris Barber, Alexis Korner und Lonnie Donegan (1931-2002) in Nachkriegseuropa bekannt gemacht. Vor allem Donegans fetzig, fast atemlos gesungenes "Rock Island Line" (1956), "Tom Dooley" (1958), Have A Drink On Me" (1961), "Pick A Bale Of Cotton" (1962) u.v.a. waren Skiffle Hymnen, die Jugendliche in ganz Europa animierten, Skiffle Groups zu gründen.

Damit wurde die Skiffle Music zum Vorbild vieler britischer Pop-Superstars der 60er und 70er Jahre des 20. Jhdts., die allesamt als Teenager in den 50er Jahren mit Skiffle begonnen hatten, so zum Beispiel die Beatles (als Quarrymen), die Rolling Stones, Eric Clapton, Elton John, Rod Stewart, The Kinks, Led Zeppelin, Roger Daltrey, Simply Red etc.

In diesen Fußstapfen befindet sich auch die beinahe internationale Gruppe RATA SKIFFLE TURI BÄND mit dem unverwechselbaren Guitarrmandolinenakrobaten und Leihösterreicher Sleepy Jay Eiben, dem Schalkwerker Giovanni Granato, dem frontigen Hannes "Winie" Winkler und dem Allsoundler und Ex-Worried-Men "Jumbo" Fellerer, der etwa 16 Instrumente spielt. Sie halten in der Beschaunische of Stonefield Heaven die gute alte Tradition hoch und machen fröhliche, erdsoundige, chilli hot "Vomsesselreißmusik", also Heppi-Peppi-Music für Menschen von 5-99.

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